Matratzenrecycling

Industrielles Matratzenrecycling: Prozesse, Automatisierung und Qualität

Themen-Dossier

Motivation

Matratzen sind Kunststoffprodukte, auf denen wir einen grossen Teil unseres Lebens verbringen. Sie vereinen Komfort, Langlebigkeit und Atmungsfähigkeit – Eigenschaften, die aus der gezielten Kombination verschiedener Werkstoffe entstehen.

Heute wird der überwiegende Teil der Matratzen am Ende ihrer Nutzungsdauer verbrannt. Dabei gehen wertvolle Materialien verloren, die grundsätzlich für eine erneute, hochwertige Verwendung geeignet wären.

In der KATZ Kreislauffabrik untersuchen wir, wie sich die Recyclingquote von Matratzen erhöhen und die stoffliche Wertschöpfung im Entsorgungsbereich ausbauen lässt. Dazu testen wir Verfahren, Prozessketten und Qualitätskonzepte, um technisch umsetzbare sowie wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Lösungen zu entwickeln.

Woraus bestehen moderne Matratzen

Matratzen haben sich über die Zeit stark weiterentwickelt. Während früher Naturmaterialien wie Rosshaar oder klassische Federkerne dominierten, bestehen moderne Matratzen heute aus komplex aufgebauten Mehrkomponentensystemen.

Kern
Typisch ist der Aufbau aus einem tragenden Kern und einer funktionalen Hülle. Der Kern kann aus Taschenfederkernen, mehreren PU- oder Kaltschaumlagen oder Materialkombinationen bestehen. Unterschiedliche Schaumstofftypen übernehmen dabei gezielt Aufgaben wie Stützung, Druckverteilung oder Elastizität.

Hülle
Die Hülle sorgt für Schutz, Hygiene und Schlafklima.

Entscheidend ist stets das Zusammenspiel von Material, Konstruktion und Gestaltung, das Komfort, Funktion und Lebensdauer der Matratze bestimmt.

Welche Funktionen erfüllen Matratzen und warum altern sie

Eine Matratze erfüllt mehrere zentrale Funktionen. Die wichtigste ist die Polsterung: Sie verteilt die Körperlast, stützt unterschiedliche Körperzonen und sorgt für eine stabile, zugleich flexible Liegeposition.

Dabei ist das Gleichgewicht zwischen Stützwirkung und Federverhalten entscheidend, um Bewegungen im Schlaf zu ermöglichen. Ebenso wichtig ist das Schlafklima, das durch Luft- und Feuchtigkeitsaustausch beeinflusst wird. Hygienische Anforderungen wie Geruchsneutralität und Sauberkeit spielen ebenfalls eine Rolle. Matratzen altern durch mechanische Belastung, Materialermüdung, Feuchtigkeit und Verunreinigungen. Diese Faktoren beeinträchtigen mit der Zeit Komfort, Funktion und Hygiene.

Entscheidend ist dabei, dass das funktionale Altern einer Matratze nicht zwangsläufig mit dem technischen Zustand der Materialien gleichzusetzen ist. Während Stützwirkung, Schlafkomfort oder Hygiene mit der Zeit nachlassen, sind viele eingesetzte Materialien – insbesondere Schaumstoffe und Metalle – strukturell weiterhin intakt und eignen sich für eine hochwertige stoffliche Verwertung.

Wie funktioniert Matratzenrecycling

Der Recyclingprozess von Matratzen beginnt mit einer sauberen und kontrollierten Sammlung, um Materialqualität zu erhalten. Unabhängig davon, ob Matratzen

  • bei der Lieferung neuer Produkte zurückgenommen,
  • im Handel abgegeben oder
  • an Sammelstellen entsorgt werden,

ist ein trockener und vollständiger Zustand inklusive Hülle entscheidend.

Im Recycling werden Matratzen anschliessend geöffnet, Materialien getrennt und sortiert. Schaumstoffe, Metalle, Textilien und andere Komponenten werden materialrein aufbereitet, um sie wieder in industrielle Wertschöpfungskreisläufe einzubringen. Ein funktionierendes Matratzenrecycling ist damit ein zentraler Baustein der Kreislaufwirtschaft und Voraussetzung für hochwertige Sekundärrohstoffe.

Aktivitäten und Projekte

Im Rahmen des Innocheck Projekts entwickelt KATZ innovative, praxisnahe Methoden zur Beurteilung der Qualität von Polyurethan(PUR)-Schäumen aus Alt-Matratzen. Die Methoden sollen direkt während der Demontage eingesetzt werden. Dies ermöglicht die gezielte Zuweisung hochwertiger Fraktionen zu best geeigneten mechanischen oder chemischen Recyclingverfahren. 

Die Demontage und Zerlegung der Matratzen erfolgt durch die Sortec Aarberg AG in Zusammenarbeit mit der Justizvollzugsanstalt Witzwil.  

Die Ergebnisse des Projekts werden in das Pilotprojekt der Matratzen Allianz einfliessen, das im November 2025 startete. Mit der Pilotsammlung im Kanton Aargau legt die Matratzenallianz den Grundstein für ein landesweites Matratzenrecyclingprogramm in der Schweiz. Alte, aussortierte Matratzen können an Sammelstellen im Kanton Aargau abgegeben werden. Jede Matratze wird geprüft, erfasst und geeignete Matratzen werden dem Recycling zugeführt.  

23.10.2025 – Innosuisse – Innocheck 133.148 INNO-EE
Industriepartner: SORTEC Aarberg AG
Forschungspartner: KATZ 


Im Rahmen eines Innocheck-Projekts wurden 2021 erste Versuche zur Rückführung von Matratzenabfällen in den Stoffkreislauf durchgeführt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse führten zu weiterführenden Aktivitäten im Bereich des Matratzenrecyclings.

30.07.2021  Innosuisse – 56558.1 INNO-ENG


Matratzen-Recycling in den Medien und bei Projektpartnern

  1. SRF 10 vor 10 berichtet über das Matratzenrecycling im Aargau – 13.02.2025 – Link SRF
  2. Matratzen-Allianz startet Pilotsammlung Matratzenrecycling in Aargau11.11.2025 – Kt. Aargau – Link (PDF)
  3. Matratzenrecycling – matratzen-allianz.ch
  4. Der Aargau wird zum Pionier im Matratzen-Recycling – Verein will 80 Tonnen Material sammeln – 28.11.2025 – AZ
  5. Ein zweites Leben für alte Matratzenfüllungen – 02.12.2025 – SRF
  6. Pilotprojekt im Aargau: Matratzen können recycelt werden – 02.12.2025 – SRF online
  7. Matratzenrecycling soll in die Schweiz kommen – 01.12.2025 – ikea.com
  8. Matratzen-Recycling – Wie eine Ressource in Rauch aufgeht – 23.05.2025 – tagesschau.de
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